Montag, 17. November 2014

Fleisch aus dem 3D-Drucker



Guten Tag :-)

Im Schnitt verzehrt jeder Deutsche 60kg Fleisch pro Jahr und schon 1kg Fleisch aus konventioneller Erzeugung ist für das Klima so schädlich, wie eine Autofahrt nach Rom.
Schon seit längerem steht der immer wachsende Fleischkonsum unter einem schlechten Licht. Vor diesem Hintergrund hat das Start-Up Unternehmen Modern Meadow eine Technologie entwickelt, um die Umweltkosten für die Fleischproduktion (Boden, Wasser, Energie) drastisch zu senken. Mit dem neuen Verfahren, namens „Biofabrication“, soll es möglich Fleisch und Leder aus Biotinte zu gewinnen. Zunächst wird Kühen Zellgewebe entnommen, das von Forschern isoliert und teilweise modifiziert wird. In einem Bioreaktor vermehren sich diese Zelle dann millionenfach, um anschließend in einem 3D-Drucker zu einer festen Masse zusammengefügt zu werden. In biochemischen Prozessen reifen die Zellkulturen wochenlang heran und werden ersteinmal zu Häuten - bisher konzentriert sich nämlich Modern Meadow auf die Herstellung von Leder.
In einem Video erläutert Andras Forgacs, einer der Gründer des Start-Ups, das Verfahren und den großen ethischen, aber auch umwelttechnischen Nutzen dieser Technologie.

Eine Umfrage ergab jedoch, dass zum jetzigen Zeitpunkt 80% der Amerikaner das künstlich hergestellte Fleisch nicht essen würden. Bisher sind außerdem die Herstellungskosten sehr hoch. Bei einer Verköstigung im letzten Jahr, kostete ein Burger aus dem Labor rund $325.000. Diese Preise können erst mit Einführung einer Massenproduktion und weiteren technischen Fortschritten, drastisch gesenkt werden. „Die größte Hürde ist aber nicht die Wissenschaft“, argumentiert Ethan Brown, der CEO von Beyond Meat, eine Unternehmen, dass sich auf die Herstellung von Fleischersatzprodukten aus verschiedenen Protein spezialisiert hat, „sondern unsere Kultur. Immerhin verzehren wir schon seit 2 Millionen Jahren "richtiges" Fleisch.“ Die National Cattlemen’s Beef Association betont außerdem, dass Konsumenten einer künstlichen Herstellung nicht vertrauen würden, denn ein Laborprodukt könnte niemals die Hingabe eines Bauern zu seinem Produkt und dem Endkunden ersetzen. Das sei auch der Hauptgrund, warum es noch lange dauern wird, bis eine Massenproduktion umzusetzen ist.
Hinsichtlich des Geschmacks, konnten einige Kritiker bereits beruhigt werden. Bei der Verköstigung im letzten Jahr reagierte das Fachpublikum äußerst positiv auf das gezüchtete und „gedruckte“ Fleisch. Das Produkt kam so gut an, dass einige Verkoster keine Geschmacksunterschied feststellen konnten. Allerdings wurde nur ein Burger verteilt und gerade in Gourmetkreisen gibt es weitaus komplexere Fleischprodukte, wie Dry Aged Steak oder Filetsteak vom Wagyu-Rind. Würde aber allein nur die Produktion von Massenprodukten (wie z.B. Hackfleisch) ersetzt werden, wäre das ein großer Schritt in Richtung eines umweltfreundlichen und ethisch vertretbaren Fleischkonsums.

Neil Stephens, Forscher an der University of Cardiff, betont abschließend, dass es aus der Sicht eines Biologen ausreicht, künstlich hergestelltes Fleisch als Fleisch zu bezeichnen, sobald die Zusammensetzung ähnlich genug ist. Aus der Sicht eines Soziologen definiert sich Fleisch aber nicht aus seiner Zusammensetzung, sondern welchen Wert und Sinn die Gesellschaft Fleisch beimisst. Unter diesen Umständen ist die neuartige Herstellung von Fleischprodukten eher eine Lebenmittelneuheit als ein Fleischersatz. Trotz alledem birgt das „Biofabrication“-Verfahren großes Potential die Fleischproduktion an die stetig wachsende Weltbevölkerung anzupassen und nachhaltiger zu gestalten.Wie man persönlich dazu steht, bleibt jedem - wie zumeist - selbst überlassen.

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